Kupferbergbau in Viehhofen
Der Kupferbergbau in Viehhofen hat eine lange, fast schon traditionelle Geschichte, die anfangs in der Altbronzezeit nachweislich begonnen hat und bis zum Ersten Weltkrieg andauerte. Das begehrte Metall wurde in verschiedenen Zeitabschnitten in Viehhofen abgebaut, dies beweisen etliche Funde und Grabungsberichte.
Mit dem Aufkommen von Metallen und den vielen körperlich anstrengenden Arbeiten diese abzubauen, entwickelte sich eine Arbeitsteilung zwischen den Kelten und eine hierarchisch gegliederte Gesellschaft.
Die Ambisontes ein Keltenstamm, der sein Stammeszentrum am Biberg hatte und zum Königreich Noricum zählte, war hier in Viehhofen heimisch. In der Altbronzezeit rund um die Jahre 1000 – 700 v. Chr. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Funde in Viehhofen.
Das Volk lebte zwischen der Saalach und der Salzach, dem heutigen Pinzgau. Der Name „Ambisonte“ leitet sich aus dem Namen Isonta, die Salzach ab. Der Name lebt bis heute im Begriff Pinzgau fort, der im Mittelalter Bisontia genannt wurde. Die Ambisonte betrieb unter anderem auch den Kupferbergbau im heutigen Viehhofen. Da Kupfer selten in seiner reinen Form zu finden und eher in Erzen gebunden ist, ist das Vorhaben, Kupfer vom Gestein zu trennen, ein langwieriger und arbeitsaufwendiger Prozess.
Dafür suchten die Ambisonten die Gegend nach Erzausbissen oder auch vererztem Gestein ab. Sie wurden fündig in Bächen oder Rinnen sowie in den hochgelägenen Wäldern rund um Viehhofen. In Bächen wurden Sie ähnlich dem Goldwaschen mit Sichertrögen oder mittels Schlämmgräben fündig.
Der größte Teil der Erzgewinnung durch das Herausbrechen des Erzes aus dem ausstehenden Gestein, den heutigen Pingen gefunden. Ebenfalls kam die Feuersetz-Methode zu Gebrauch, wobei das Holzfeuer das Gestein stark erhitzte und die Menschen es anschließend mit kaltem Wasser schnell abkühlten. Damit wurden Risse im Gestein erzeugt, um es anschließend leichter herauszubrechen, zu können. Mit den Geräten, die zur damaligen Zeit zur Verfügung standen, war dies immer noch ein immenser Kraftaufwand.
Aus der Saalach wurden schwere Unterlagssteine geborgen. Diese Blöcke mit einem Durchmesser von bis zu 40 cm hatten eine ungefähr faustgroße Delle. Die Kelten schleppten diese zu den Erzfundorten. Mit einem weiteren faustgroßen kugelförmigen Klopfstein zerkleinerte man an den Fundorten die abgebauten Roherzbrocken. Dabei trennten sie das Roherz vom Rest des Gesteins, dieses übrige Gestein blieb aufgeschüttet auf den bis heute bestehenden Halden zurück. Im zweiten Schritt wurde mithilfe von Reibsteinen die walnussgroßen Roherze auf Korngröße zerkleinert, um sie dann in Öfen zu rösten. Das Erzgestein wurde darin erhitzt und in den nachfolgenden Schritten das Kupfer zu Schwarzkupfer verhüttet. Übrig blieb die Schlacke, aus dem Schmelzprozess zurück.
Diese Schmelzplätze erkennt man bis heute noch an den Schlackerückständen.
1877
Auch durch den obertägigen Abbau entstanden Furchenpingen sind bis heute sichtbar, und vor allem am Altenberg und auf der Wirtsalm am Abhang der Sausteigen zu finden. Aber auch an der Tennstallalm, Kressbrunn, Weberalm bis zur Rehrenbergalm oberhalb der Wirtsalm können die Schmelzplätze erkundet werden. Auf der Raggensteinalm unterhalb des Geierkogels findet man verfallene Stollen, erkennbar an den Rauchabzugsschächten für die Feuersetzung, die alle paar Meter zu sehen sind. Zwischen den Lehen Oberarzbach und der Hecheralm im Arzbachgraben auf 1300 m Seehöhe ist ein größerer Schmelzplatz wie auch auf dem Weg zur Weberalm Sandschlacke zu finden sind. Auch auf der Gorialm südlich der Sausteigen gibt es große Brocken von roher Schlacke.
1877 hat Dr. Ernst Preuschen der Fachmann im prähistorischen Bergbauswesen, bei zahlreichen Begehungen und jahrelangem Suchen die meisten dieser Schmelzplätze entdeckt.
Gegenüber ist der Burgstein, ein Bergbaugebiet in 20 m Höhe südwestlich vom Dorfplatz welches heute von Wald bedeckt ist, in dem Abschnitt, den man den Stoffentax nennt, ist ein großer Komplex von Boden, Einbrüchen und Gruben, hier ist der Berg ausgehöhlt, unterminiert und daher die Oberfläche immer wieder eingebrochen. Auf dem Sattel beim Kendlachkopf oberhalb der Stoffentax sind zahlreiche trichterförmige Gruben. Ebenfalls findet man Furchenpingen rund um den Hermastollen.
Das Mundloch den Hermastollen liegt 150m über der Saalach im nördlichen Gehänge des Tales. Der Hermastollen ein alter Verhau, aus der Bronzezeit, die 30, – 50 m vom Mundloch fast waagrecht in den Berg gehen. Hier wurde mit der Feuersetzmethode gearbeitet, es fanden sich Hölzer vom Feuersetzen. Teile einer Brücke, mittels der die Knappen in der Höhe arbeiteten, ein Wassertrog, 1,28 m Lang und ein Fördertrog 84 cm lang, der zum Erz ziehen gebraucht wurde, sowie weitere Funde, Die gute Erhaltung verdankt man den Umständen, dass der Stollen komplett ersäuft war.
1912
Diese Funde in Viehhofen zählen zu den wichtigsten Zeugnissen des Bergbaus in den Ostalpen in der Bronzezeit und zeugen von der überregionalen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung.
1912 entdeckte G. Kyrle unter anderem 3 Luftschächte, die zum Verhau führen. Der nördlichste und mittlere waren mit Geröll verschüttet, aber der südlichste komplett frei. Dieser ist ungefähr 1 m weit. Eine 2 cm dicke Rußschicht und darunter klein zersprungenes, leicht wegbrechbares Gestein. Die Anzahl der Schächte ist aber kein Zufall. Die nördliche Luftzufuhr wurde zuerst gebaut und dann ging der Stollen nach Süden, durch die Schräglage konnte man den Tunnel befeuern und gleichzeitig in ihm arbeiten. Darauf folgten 1955 umfassende wissenschaftliche Untersuchungen und eine Kartierung sowie Vermessung statt. So wurden 3 urnenfeldzeitliche Bronzenadeln aufgelesen, die einen ersten Ansatz für eine chronologische Einordnung der Fundstelle lieferten. Außerdem wurden mehrere Begehungen unternommen, die Keramikfragmente sowie diverse Klopf- und Reibsteine als Anhaltspunkte entdeckt, die für den prähistorischen Bergbau sprechen.
2015
2015 wurde das Interesse des ISBE geweckt und im darauffolgenden Jahr eine geophysikalische Messung und eine Ausgrabung durchgeführt. Es wurden 2 Bereiche festgestellt, die eine Anomalie aufzeigen, welche auf durch Hitze veränderte Bodeneigenschaft schließen lassen. Durch die Messungen aufgezeigte Scheidehalden und späteren Begehungen brachten wiederum Bronzenadeln, Keramikfragmente, Reibplatten, Klopfsteine und Tierknochenbruchstücke zum Vorschein.
Die geborgenen Fundgegenstände kann man unter anderem heute im Haus der Natur in Salzburg begutachten.
Aber nicht nur in der Altbronzezeit, auch im 16. und 17. Jahrhundert wurde das begehrte Kupferkies abgebaut. In den Jahren zwischen 1910 und 1914 wurde erneute die Versuche aufgenommen. Im davon geschwemmten Unterwirt war bis zum Schluss noch eine Kammer mit Stollenwerkzeug und nicht umsonst wurde dies den damaligen Bauern am Altenberg in einem Spruch nachgesagt „Der Altenberg sitzt auf dem Gold wie die Henn auf dem Ei. Es ist ein Berg, der reich an Erzen, aber nur Kupfer, nicht Gold ist“ Der Name Altenberger ist heute ein verbreiteter Schreibname. Er kommt, was den Pinzgau betrifft, vom Gut Altenberg in Viehhofen und stammt vom Bergbau der Alten. Auch wenn aktuell keine der Mienen begehbar ist, sieht man bis heute die Resultate der Veränderung im Landschaftsbild. Die damaligen Scheideplätze sind bis heute karg bewachsen und man sieht von der Hitze gerötete Bodenbeschaffenheiten.